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Meldung

Bundeskongress Physiotherapie 2026: Impulse aus Augsburg für die Praxis

Wie Physio Deutschland berichtet, war der Bundeskongress Physiotherapie 2026 in Augsburg restlos ausgebucht.

Bundeskongress Physiotherapie 2026: Impulse aus Augsburg für die Praxis

400 Teilnehmende und 16 Referierende beschäftigten sich über zwei Kongresstage mit Schmerztherapie, wissenschaftlichen und praxisnahen Behandlungsansätzen sowie der interdisziplinären Vernetzung und Digitalisierung. Für die tägliche Arbeit ist besonders relevant, welche Themen daraus in Befunderhebung, Fallbesprechung und Versorgungsabläufe übernommen werden können, ohne einzelne Vorträge vorschnell zur pauschalen Empfehlung zu machen.

Schmerztherapie umfassender organisieren

PD Dr. rer. nat. Ulrike Kaiser eröffnete das fachliche Programm mit einer Keynote zum Verständnis von Schmerz und zum biopsychosozialen Ansatz in der physiotherapeutischen Behandlung. In den anschließenden Beiträgen wurden Schmerz aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, von wissenschaftlichen Erkenntnissen über Diagnostik und Therapie bis hin zu psychosozialen Aspekten und interdisziplinären Versorgungsansätzen.

Für die Praxis lässt sich daraus eine konkrete Prüffrage ableiten: Werden psychosoziale Belastungen im eigenen Behandlungsprozess sichtbar, und an welchen Stellen erfolgt die Übergabe zu anderen Fachgruppen? Hilfreich ist eine Bestandsaufnahme der tatsächlichen Abläufe. Welche Informationen liegen bei der Befunderhebung vor, wie werden sie dokumentiert und welche Angaben fehlen beim Austausch mit behandelnden Ärzten oder anderen Disziplinen? Der Kongress beschreibt keinen verbindlichen Standardpfad. Die praktische Übertragbarkeit einer neuen Routine sollte daher mit der jeweiligen Versorgungssituation und den verfügbaren wissenschaftlichen Grundlagen abgeglichen werden.

Digitalisierung braucht einen klaren Anwendungsfall

Bundesstaatssekretärin Dr. Silke Launert eröffnete den Kongress mit dem thematischen Impuls „KI – Lust auf Zukunft: Wie Innovation die Physiotherapie stärkt“. Dabei wurden die Chancen von Künstlicher Intelligenz und technologischer Innovation für die Physiotherapie in den Mittelpunkt gerückt. Vertreterinnen und Vertreter anderer Verbände sowie des GKV-Spitzenverbands waren ebenfalls anwesend und nutzten den Kongress für fachlichen und berufspolitischen Austausch.

Die Meldung nennt keine konkreten technischen Produkte, Einsatzbereiche oder Studien zur Digitalisierung. Für die Praxis folgt daraus eine nüchterne Aufgabe: Innovation sollte nicht per se mit Nutzen gleichgesetzt werden. Sinnvoll ist ein klar umrissener Anwendungsfall, bei dem Verantwortlichkeiten, Ablauf und erwarteter Zusatznutzen beschrieben sind. Auch die organisatorische Vernetzung verdient eine eigene Prüfung. Wo entstehen Verzögerungen bei Terminen, Befunden oder Rückfragen? Welche digitale oder analoge Lösung würde genau diese Schnittstelle unterstützen, ohne einen zusätzlichen, schlecht gepflegten Dokumentationsweg zu schaffen?

Aus dem Posterpreis kein Pauschalversprechen ableiten

Die wissenschaftliche Posterausstellung umfasste acht eingereichte Arbeiten. Ausgezeichnet wurde Dr. Karl Lorenz Konrad für seine Untersuchung zur Wirksamkeit eines physiotherapeutischen Ganzkörper-Elektromyostimulationstrainings bei chronischen unspezifischen Rückenschmerzen.

Der Kongressbericht nennt weder Studiendesign noch Kontrollgruppe, Zielgruppe, Messgrößen oder Ergebnisse im Detail. Die Auszeichnung ist deshalb als Hinweis auf eine präsentierte Forschungsarbeit zu verstehen, nicht als Beleg für eine allgemeine Behandlungsempfehlung. Wer den Ansatz in der eigenen Praxis bewerten möchte, sollte zunächst die Originalpublikation prüfen und insbesondere untersuchen, welche Patientenpopulation eingeschlossen war, wie Intervention und Vergleich umgesetzt wurden und welche endpoints erhoben wurden.

Für den Praxistransfer bietet sich ein ebenso nüchternes Vorgehen an: Nicht mehrere Themen gleichzeitig aufnehmen, sondern eines auswählen. Dafür einen konkreten Ablauf definieren, seine Auswirkung beobachten und anschließend entscheiden, ob eine Anpassung sinnvoll ist. So wird aus dem Kongressbesuch kein pauschales Versprechen, sondern überprüfbare Praxisentwicklung.