Physiotherapie-Reform: vdek fordert faire Finanzierung für neue Ausbildungsstandards
Nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen (vdek) geht der Entwurf für ein neues Physiotherapie-Berufsgesetz bei Ausbildung und Qualifikationen grundsätzlich in die richtige Richtung.

Streitpunkt bleibt die Finanzierung: Der Verband rechnet für die gesetzlich Versicherten mit jährlichen Zusatzkosten von rund 260 Millionen Euro und fordert, auch private Krankenversicherungen und Bundesländer einzubeziehen. Für Praxen und Ausbildungseinrichtungen ist deshalb entscheidend, ob neben den neuen Anforderungen auch eine klare Gegenfinanzierung und Vergütung geregelt werden.
Mehr Ausbildungsqualität, offene Finanzierungsfrage
Der vdek begrüßt die geplante Teilakademisierung und die Integration von Zusatzqualifikationen in die Physiotherapieausbildung. Auch andere Therapie- und Physiotherapieverbände bewerten den vom Bundesgesundheitsministerium vorgelegten Entwurf laut Tagesspiegel Background gemischt: Sie unterstützen die Modernisierung und die Abschaffung des Schulgelds, verlangen aber Klarheit darüber, wie die Änderungen bezahlt werden sollen.
Für die Versorgungspraxis sind das zwei miteinander verbundene Fragen. Neue Ausbildungsinhalte sollen die Qualifikation künftiger Therapeutinnen und Therapeuten weiterentwickeln. Zugleich hängt die Umsetzung davon ab, welche finanziellen und organisatorischen Bedingungen für Schulen und Praxen gelten. Der vorliegende Informationsstand beantwortet noch nicht, wie diese Bedingungen im Detail aussehen.
Worauf Praxen und angehende Auszubildende achten sollten
Wer eine Praxis als Ausbildungsstätte betreibt oder eine Ausbildung plant, sollte die nächsten Regelungen nicht allein danach beurteilen, welche Inhalte hinzukommen. Wichtig ist auch, ob die Vergütung von Praxen als Ausbildungsstätten verbindlich geklärt wird und wie die Kosten zwischen den beteiligten Zahlern verteilt werden. Genau diese Punkte nennen Verbandsvertreter als offene Aufgaben.
Für die Einordnung des Entwurfs lohnt sich daher ein Blick auf drei Fragen: Welche Ausbildungsbestandteile werden tatsächlich festgeschrieben? Wie wird die Ausbildung finanziert, einschließlich der vom vdek geforderten Beteiligung privater Krankenversicherungen und der Länder? Und welche Vergütung erhalten Praxen, wenn sie an der Ausbildung mitwirken? Solange dazu keine klaren Regelungen vorliegen, lässt sich aus der grundsätzlichen Zustimmung zur Modernisierung noch kein vollständiges Bild der Folgen für den Praxisalltag ableiten.
Der nächste Maßstab ist die konkrete Ausgestaltung
Die Debatte zeigt, dass eine Reform nicht mit neuen Qualifikationszielen allein bewertet werden kann. Für die Physiotherapie zählen ebenso tragfähige Bedingungen für Ausbildung und praktische Anleitung. Die vom vdek genannten rund 260 Millionen Euro sind dabei eine Prognose zu den jährlichen Zusatzkosten für GKV-Beitragszahler, keine vollständige Darstellung der Finanzierung aller Beteiligten.
Bei weiteren Nachrichten zum Berufsgesetz sollten Praxen deshalb besonders auf konkrete Aussagen zu Gegenfinanzierung und Ausbildungsvergütung achten. Erst wenn diese Punkte geregelt sind, lässt sich besser einschätzen, welche Anforderungen auf Einrichtungen zukommen und wie die Reform im Ausbildungsalltag umgesetzt werden soll.